Interview: „Genderkniast“ kämpft für gemischtgeschlechtliche Knäste

In deutschen Knästen herrscht Geschlechtertrennung. Eine Initiative anarchostalinistischer Queer-Aktivist*innen will dagegen mobil machen. Wir interviewten Alvgjerd Brösk vom der queer-feministischen Knastbewegung „Genderkniast“.

Hallo Alvgjerd. Worüber regt ihr euch eigentlich so tierisch auf?

Alvgierd Brösk ist aktiv im ASSSV und hat die queerfeministische Knastbewegung „Genderkniast“ ins leben gerufen.

In deutschen Knästen herrscht Geschlechtertrennung. Schon seit über vierhundert Jahren werden Männer und Frauen in Zuchthäusern getrennt eingepfärcht. Für Frauen gibt es gesonderte Frauenknäste, wo sie unter dem Druck der bigeschlechtlichen Menschentrennung unter angeblich Ihresgleichen ihre Haftstrafe absitzen müssen. Die Gefühle von Transsexuellen, Queers und Geschlechtslosen werden dabei ebenso mit Füßen getreten, wie die Gefühle von männlich sozialisierten, die sich in ihrem Knastalltag nichts sehnlich wünschen, als eine Abwechslung von der ständig zur Schau gestellten Männlichkeit in den Männerknästen.

Was fordert ihr denn? Glaub ihr nicht, dass es bei gemischtgeschlechtlichen Knästen zu Übergriffen kommen würde?

Wir fordern in der Tat gleichgeschlechtliche besser gesagt geschlechtsunspezifische Gefängnisse mit gemischten Gefängniszellenbewohner*innen. Die Insass*innen sollen selber entscheiden dürfen, mit wem sie in der Zelle sein wollen. Es kann nicht sein, dass das oberste Knastkommando über Lust und Unlust entscheidet und damit die sexuellen Selbstbestimmungsrechte der Insass*innen mit Füßen tritt. Mit der freien Wahl von Zellenpartner*innen würde so auch sicher gestellt werden, dass die Insass*innen selbstbestimmt entscheiden, ob sie mit weiblich/männlich sozialisierten Menschen oder queeren oder transsexuellen Menschen in die Zelle wollen. Wichtig ist, dass es außerhalb der Zelle zu Kontakten mit dem anderen Geschlecht kommt, beispielsweise in der Knastkantine, auf dem Sportplatz oder den Duschräumen. So kann langfristig eine Gleichstellung der Geschlechter auch in repressiven Räumen hergestellt werden. Zudem würde es positiv auf die patriarchal-mackerhafte Stimmung in den meisten Gefängnissen wirken. Etwas mehr Feminist*innenpower würde die Knäste zu Horten der Freiheit machen.

Wie weit sind eure Anstrengungen schon fortgeschritten? Habt ihr bereits erste Erfolge verbuchen können?

Genderkniast befindet sich in der Aufbauphase. Die anarchostalinistische Fraktion unterstützt uns dabei finanziell und logistisch, denn sie haben ihre Leute an allen Schaltstellen der Knast-Infrastruktur postiert und arbeiten den Häftlingen heimlich zu. So konnten wir bereits Flugblätter in Frauenknäste schmuggeln und erste konspirative Plena in Knästen organisieren. Nun wird es darum gehen weitere Knäste zu infiltrieren und die Motivation für den Ausbruch aus der Geschlechtertrennung auch bei anderen Insass*innen anzuregen. Besonderen Erfolg können wir auch in zwei Männerknästen in Nord-Hessen verzeichnen. Dort gab es eine Knast-Petition für die Auflösung der geschlechtsspezifischen Knaststruktur. Die Männer gingen mit der Forderung „Mehr Weiber in unsren Knast“ an die Gefängnisdirektionen, jedoch blieb eine Reaktion ihrerseits und vom Landesministerium bisher aus. Wir bleiben an der Sache dran.

Was ist mit Frauen, die schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben und lieber unter sich bleiben wollen?

Wie gesagt: wir wollen, dass Menschen selbst entscheiden, mit wem sie in der Zelle sind und mit wem sie ihre Zeit im Knast verbringen. Für Menschen, die Opfer von heterosexueller Vergewaltigung geworden sind, würde es in unserem Konzept Schutz- und Awarenessprogramme geben, bei deinen Frauen Zuflucht suchen können, sich vor allem aber auch kollektiv gegen Übergriffe zu helfen wüssten – zum Beispiel in Form von bestimmten Kampftechniken.

Wir wünschen euch viel Erfolg bei eurer Arbeit und bedanken uns für das Interview.

Danke. Free Kniast!

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