St. Imier: Anarchist*innen feiern 140. Geburtstag

Er ging als einer der dunkelsten und zugleich fröhlichsten Tage in die Geschichte der Arbeiter*innenbewegung ein: der Haager Kongress der 1. Internationale spaltete im September 1872 die Sozialdemokrat*innen und die Anarchist*innen und schuf so zwei sich von nun an bekämpfende Lager innerhalb der sozialistischen Weltbewegung. Auf der einen Seite der Analytiker und Ökonom Karl Marx (mit seinem Toyboy Engels) – auf der anderen Seite der Revolutionär und linke Boheme Bakunin. Während Marx dem einen Machtgeilheit, Intrigantentum und sogar Spionagetätigkeit für den Zaren vorwarf, galt für Bakunin und sein Kreis der Anti-Autoritären Marx‘ und Engels Linie als autoritä und staatsaffirmatorisch. Nach diesem 1872 statt findenden Spalter-Kongress entstand das erste Mal so etwas wie eine international organisierte Form anarchistischer Tätigkeit und mündete wenige Wochen später in einem ersten Kongress antiautoritärer Kommunist*innen (Anarchist*innen) im schweizerischen St. Imier, das ein Zentrum der Uhrmacher*innenkunst war. Auf diesem Kongress der sogenannten „Juraföderation“ (Jura, so heißt das Bundesland, in dem St. Imier liegt) erwuchsen die schönsten Ideen für eine Gesellschaft jenseits von staatlicher und ökonomischer Unterdrückung und für ein herrschaftsfreies Gemeinwesen im Geiste der Pariser Kommune, der russischen Bauernschaft und des anarchostalinistischen Lebensstils.

140 Jahre nach der ersten anti-autoritären Internationale haben sich jetzt wieder einige Anarchist*innen zusammengetan, um ein neues internationales Treffen von anti-autoritären Kommunist*innen, Anarchist*innen, Anarcho-Syndikalist*innen, plattformistischen Anarchist*innen, Gewaltanarchist*innen, Ökoanarchist*innen, Situationist*innen, libertären Sozialst*innen und sonstigem herrschaftsfreiem Gewusel auf die Beine zu stellen. Die Orga-Leute schätzen, dass etwa 3.000 Menschen zu dem Treffen erscheinen werden (es werden wohl mehr als 5.000). Dazu wurde komplett ein neuer Camping-Platz auf den Feldern von St. Imier aus dem Boden gestampft. Eine gigantische Leistung wird es sein, die Gäste alle mit Nahrung, Unterhaltung und medizinischer Versorgung zu füttern. Daher werden noch viele freiwillige Helfer*innen gesucht, die sich bitte so bald als nur möglich melden sollen.

Neben dem Kulturprogramm und den informellen und konspirativen Strategietreffen, gibt es ein buntes und chaotisches Programm an öffentlichen Vorträgen, Diskussionen und Workshops, die allesamt von Sympathisant*innen der anarchostalinistischen Weltliga vorgetragen werden. Parallel zum Treffen St. Imier findet in der gleiche Stadt das Treffen der IFA statt, der Internationalen Föderation der Anarchist*innen, deren Treffen aber ganz im Bakuninstyle im Geheimen stattfinden sollen.

Wir rufen alle Organisationszellen und Basisorganisationen der anarchostalinistischen Weltliga zur aktiven Teilnahme am Treffen in St. Imier auf. Mehr Infos zu Ablauf, Anfahrtsplan, Programm, Verpflegung, Hintergrund und Unterhaltung gibt es auch auf einer extra für den Kongress aufgebauten mehrsprachigen Internet-Seite http://anarchisme2012.ch/

Datum: 9. – 12. August 2012

St. Imier – that’s tha shiat!
Smash states, capitalism and homophobia!
The future is in our hands – let’s heal!

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