Avantgarde: Avon Indrichs SMS-Lyrik

Seit einigen Jahren hat sich Avon Indrich (31) innerhalb der anarchostalinistischen Autor*innenszene schnell einen Ruf als virtuoser Wortkünstler erarbeitet. Das was ihn als Künstler kennzeichnet ist nicht nur sein enthusiastischer Hass auf menschliche Dummheit und die ästhetische Auseinandersetzung mit unterdrückten sexuellen Trieben, sondern die Form die er für sein Schaffen wählt: es handelt sich um SMS-Nachrichten (short message service, deutsch: Kurznachrichtendienst). Diese besondere Form der Dichtkunst findet Ausdruck in langen Nachrichtenprotokollen, die manchmal wie ein dramatisches Stück, manchmal wie unzusammenhängende Aphorismen daher kommen. Nach dem Lesen bleibt den Leser*innen meist ein schaler Geschmack von Menschenfleisch und morschem Holz. Da die SMS durch Apps wie Whats App oder Facebook-Messenger immer mehr verdrängt wird, bekommt die gewählte Form etwas nostalgisch vorgreifendes. Wie die SMS in der Dämmmerung der Entwicklung menschlicher Produktivkraft steht, so stehen Indrichs Gedichte im leeren Raum der unerträglichen Verhältnisse. Kraftausdrücken, Beleidigungen und bewusste orthographische Fehler sind bewusst verwendete Stilelemente, mit denen der Autor den Leser*innen den dünnen Stuhl der Verhältnisse um die Ohren schlagen will.

Avon Indrich wohnt in einem psychatrischen Pfelegeheim in der Nähe von Regensburg. Durch seine schweren Psychosen und unkontrollierten Anfällen von Halluzinationen (die von manchen gar als seherische Kraft angesehen werden) ist er kaum in er Lage anderen zu helfen. Wir stellen hier nun zwei Texte von ihm vor:

  • Wo die liebe hinfällt steht nix mehr auf. Saat hält sich selbst in würgegriff. Bald so bald anders bald klatschts aber keinen beifall. Zu gott oder sonst wen
  • Ez racht er sei diderl. Du weißt was du zu tun hast. Ich bleib zuhaus. Zwei von den replikaten laufen draußen noch rum. Zeit für meinen ruhestand.
  • Sohn der finsternis! Die schwulen haben den hiphop übernommen, ein bounty ist die schockolade gegossene idee des arschficks. der kanake in uns sagt dass ein kleiner ehebruchu bisweilen besser ist eine kalte umarmung.
  • Die verbreitung des samens im gendanken ist unendlich. Lauter jungstuten aufm campus. Mein imaginärer schwanz in ihren zigeunernden mäulchen. Sie wollen es auch.
  • Evolütion. Entweder großes darm od großes gehirn. Trockennasenaffen. Der neander nachfolges der homo verrectus eroberu das kalte europäi und erlegü vögel in flug.Warum sind die ausgestorben und wir nicht.
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