Der Irrweg des Individualstalinismus

Viele AnarchostalinistInnen mussten sich in den letzten Jahren der Theoriediskussion mit den Positionen des Individualstalinismus auseinandersetzen, der als individualistischer und idealistischer Kult um die individuellen Bedürfnisse und vor allem des eigenen Körpers  viele Streits und körperlichen Auseinandersetzungen innerhalb des Aufbaus der anarchostalinistischen Fraktion provozierte. Kern des Problems sind gänzlich verschiedene Auffassungen über die Transformationsphase zwischen bürgerlicher Gesellschaft und der klassenlosen. Zudem gibt es erhebliche Streitpunkte bezüglich der Bewertung der historischen Bedeutung Josef Stalins und der historisch-materialistischen Geschichtsauffassung.

Doch erstmal Schritt für Schritt: Die IndividualstalinistInnen nehmen für sich in Anspruch, einen ideologisch abgeschlossenen und in sich konsistenten und kohärenten Plan für den Aufbau der klassenlosen Gesellschaft zu haben. Dieser führt bei ihnen über die totale Verherrlichung und Idealisierung des Individuums und seiner Bedürfnisse. Jeder Mensch soll sich erstmal das nehmen, was er will – unabhängig davon, ob das minderjährige Knaben sind oder ein Gutshof auf den Alpen. Die Enteignung der Bourgeoise soll über die Aufrechterhaltung der emotionale Empörung geschehen und schließlich übergehen in die ungezügelte Gier nach Befriedigungsobjekten, die den Herrschenden mit der Androhung von Gewalt entrissen werden sollen. Der Rausch des Plünderns, die Ich-Zentriertheit und die Destruktion der kollektivistischen Klassenkonzeption sind die Grundpfeiler des Übergangs. Gänzlich ausgeklammert werden ökonomische und juristische Probleme, sowie der Hang des Menschen nach Harmonie und gegenseitiger Liebe. Die Individualstalinisten rücken zwar den Mensch ins Zentrum der Transformation, aber sie verabsolutieren ihn und seine doch immer heterogenen Bedürfnisstrukturen als kultisches Prinzip. Die Abstraktion des befriedigten und im Luxus sich suhlenden Menschen wird zum autoritären Prinzip erhoben und somit die Freiheit sich unterzuordnen und devot zu sein strikt abgewiesen. Unterworfen wird sich nur vor der eigenen Begierde und Lust und die Klassenkämpfe verkümmern so zu einer klebrigen Spermaspirtzschlacht.

Der zweite Punkt betrifft die historische Bewertung Josef Stalins. Nach Lesart des Individualstalinismus war Stalin nicht etwa ein Repräsentant des Proletariats und handelte nach den Interessen desselben, sondern ein engelsgleiches Ebenbild des lustorientierten und egomanischen Revolutionärs, dessen Taten nicht in seinem unendlichen Altruismus begründet waren, sondern in seiner unbändigen Lust nach Bedürfnisbefriedigung und Ehrgefühl. In der Überhöhung seiner Körperlichkeit und seiner Biographie ikonisieren sie Josef Stalin zum Inbegriff der individuellen Ungezügeltheit und erklären die Transformation der UdSSR aus dem Willen zur Lust. Nahe an den Theorien Otto Grossitos, aber auch scharf an ihnen vorbei, versuchen sie daher ein entmaterialisiertes und idealistisches Bild von Stalin zu entwerfen, dass seiner wahren Persönlichkeit mal überhaupt nicht entspricht.

Ein drittes zentrales Problem ist die Leugnung der historisch-materialistischen Geschichtsentwicklung. Die IndividualstalinistInnen nehmen an, dass die Geschichte keine Geschichte der Klassenkämpfe sei, sondern diejenige, des kollektiven Wunsches nach Befriedigung der persönlichen Lustbedürfnisse. Dabei steht die Orgie im Mittelpunkt. So behauten sie, dass entscheidende revolutionäre Bewegungen immer in Zusammenhang standen mit völlig durchtriebenen Sexparties und heimlich in den Hinterzimmern der Plena praktiziert wurden, um dadurch die Leute zu disziplinieren für die Autorität der revolutionären Lust. Der Orgasmus des Einzelnen wird zur revolutionären Eruption der Gesamtgesellschaft. Das mag in gewisser Hinsicht nützlich sein, aber es ist zu verkürzt – ganz einfach. Politik ist eben nicht nur Ficken, sondern viel mehr: z.B. Hauen, Kratzen, Nachladen und Brüllen.

Als Anarchastalinistinnen und Anarchostalinisten wollen wir an dieser Stelle unsere klare Ablehnung gegenüber dem Individualstalinismus bekräftigen. Eine Zusammenarbeit mit diesen romantisch-idealisitischen und lustorientierten Drogenabhängigen kommt für uns nicht in Frage. Sie stellen eine große Gefahr für die anarchostalinistische Revolution dar und müssen als erbitterte Feinde betrachtet werden, die nicht das Interesse der ArbeiterInnenklasse, sondern die des Penisses, der Vagina und des Todes vertreten. Daher sprechen wir hiermit eine Unvereinbarkeit aus zwischen dem Anarchostalinismus und seinen wissenschaftlichen Anschauungen auf der einen und dem Individualstalinismus auf der anderen Seite aus.

Lang lebe die hermeneutisch-materialistische Historiographie!
Nieder mit den Feinden der Stalins und Bakunins!
Für den autoritären Freiheitskult!

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